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Druckqualität

Über- und Unterextrusion erkennen und beheben

Zu viel oder zu wenig Material an der Düse zeigt sich auf der Oberfläche völlig unterschiedlich – aber beide Fehlerbilder lassen sich mit demselben einfachen Test zuverlässig eingrenzen und korrigieren.

Überextrusion: Zu viel Material

Bei Überextrusion presst der Drucker mehr Filament heraus, als für die jeweilige Bewegung vorgesehen ist. Sichtbar wird das an einer rauen, wulstigen Oberfläche, verschmierten feinen Details und Maßen, die etwas größer ausfallen als im Modell geplant. An Ecken und Überhängen kann überschüssiges Material sichtbar hervortreten, ähnlich einer leichten Ausbeulung an der untersten Schicht.

Typische Ursachen sind eine zu hoch eingestellte Flow-Rate im Slicer, ein im Slicer hinterlegter Filamentdurchmesser, der kleiner ist als das tatsächlich verwendete Filament, oder eine Düse mit größerer Öffnung, als in den Druckeinstellungen angegeben.

Unterextrusion: Zu wenig Material

Unterextrusion zeigt sich als Gegenteil: sichtbare Lücken zwischen einzelnen Druckbahnen, dünne oder brüchige Wände und Schichten, die nicht richtig miteinander verschmelzen. Bei starker Ausprägung wirkt die Oberfläche löchrig, und die Struktur verliert spürbar an Festigkeit.

Häufige Ursachen sind eine teilweise verstopfte Düse, ein Filament, das im Extruder-Zahnrad durchrutscht statt zuverlässig gegriffen zu werden, eine zu niedrige Drucktemperatur für das verwendete Material oder eine Druckgeschwindigkeit, die höher ist, als die Düse bei der eingestellten Temperatur Material nachliefern kann.

Der Extrusions-Kalibrierungstest

Mit einem einfachen Test lässt sich prüfen, ob Ihr Drucker tatsächlich die Menge Filament ausgibt, die er zu geben glaubt. Markieren Sie das Filament oberhalb des Extruders an einer festen Referenzstelle, zum Beispiel mit einem Stück Klebeband. Lassen Sie den Drucker über die Steuerung eine bestimmte Filamentlänge manuell einziehen und messen Sie anschließend nach, wie weit sich die Markierung tatsächlich bewegt hat.

Weicht die tatsächlich eingezogene Länge deutlich von der angeforderten ab, ist das ein starkes Indiz für eine falsch kalibrierte Schrittzahl (E-Steps) des Extruders. Die passende Korrektur berechnet sich aus dem Verhältnis von angeforderter zu tatsächlich gemessener Länge und wird in der Firmware oder im Druckerprofil hinterlegt – die genaue Vorgehensweise unterscheidet sich je nach Firmware, die Herstelleranleitung Ihres Druckers zeigt den passenden Menüpfad.

Weitere Diagnoseschritte

Filamentdurchmesser nachmessen: Prüfen Sie mit einer Messschraube an mehreren Stellen der Spule, ob der tatsächliche Durchmesser zum im Slicer hinterlegten Wert passt. Schon kleine Abweichungen wirken sich auf die extrudierte Menge aus.

Extruder-Greifkraft prüfen: Öffnen Sie kurz die Spannung am Extruder und beobachten Sie, ob das Zahnrad sichtbare Kerben ins Filament schneidet. Zu wenig Griff führt zu Durchrutschen, zu viel Anpressdruck kann das Filament dagegen zermahlen.

Temperatur schrittweise anpassen: Bei Unterextrusion kann eine leichte Erhöhung der Drucktemperatur laut Herstellerangabe des Filaments helfen, das Material besser fließen zu lassen. Bei Überextrusion in Kombination mit unsauberen Details hilft oft das Gegenteil.

Flow-Rate als Feinjustierung

Nach korrekt kalibrierten E-Steps lässt sich die Flow-Rate im Slicer als zusätzliche Feinjustierung nutzen, um material-bedingte Dichteunterschiede auszugleichen. Ändern Sie dabei nur einen kleinen Prozentwert pro Testdruck und beurteilen Sie das Ergebnis, statt mehrere Einstellungen gleichzeitig zu verändern – sonst lässt sich am Ende nicht mehr zuordnen, welche Anpassung tatsächlich geholfen hat.

Beide Fehlerbilder gleichzeitig?

Manchmal wechseln sich Über- und Unterextrusion innerhalb desselben Drucks scheinbar ab – etwa eine raue Unterseite bei gleichzeitig löchriger Oberseite. Das deutet meist nicht auf zwei getrennte Probleme hin, sondern auf eine grundsätzlich falsch kalibrierte Extrusionsmenge, die sich je nach Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung im Modell unterschiedlich stark auswirkt. Der Extrusions-Kalibrierungstest bleibt auch hier der richtige erste Schritt, bevor Sie einzelne Bereiche isoliert nachjustieren.

Fazit

Über- und Unterextrusion lassen sich gut auseinanderhalten, sobald man weiß, worauf man achten muss – und beide Probleme sind mit dem gleichen Kalibrierungstest systematisch behebbar. Wer die Schrittzahl des Extruders einmal korrekt einstellt, muss danach in der Regel nur noch kleine, materialabhängige Anpassungen an der Flow-Rate vornehmen.

Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheide ich Unterextrusion von einer verstopften Düse?
Beide zeigen ähnliche Symptome. Ein Kalibrierungstest hilft: Fließt bei manuellem Vorschub gleichmäßig Filament, liegt eher eine falsche Flow-Einstellung oder ein Kalibrierungsfehler vor. Stockt oder stoppt der Fluss ganz, deutet das stärker auf eine physische Verstopfung hin.
Muss ich E-Steps bei jedem neuen Filament neu kalibrieren?
Nein, E-Steps hängen vom Extruder-Mechanismus ab und bleiben material-unabhängig meist konstant. Was sich je nach Filament ändern kann, ist der Flow-Prozentsatz im Slicer, um Dichteunterschiede zwischen Materialien auszugleichen.
Warum sieht ein Druck bei Überextrusion trotzdem stabiler aus?
Mehr Material bedeutet zunächst mehr Masse und wirkt dadurch optisch stabiler. Tatsächlich leidet aber die Maßhaltigkeit, feine Details verschwimmen und überstehendes Material kann an beweglichen Teilen oder Passungen zu Problemen führen.

Passt die Düsengröße zu Ihrem Vorhaben?

Düsendurchmesser und Extrusion hängen eng zusammen – wir erklären den Zusammenhang.

Zu Düsendurchmesser erklärt